ES IST DA
Türen, Gräber, Kartontafeln mit Handschrift, ein lebhafter Markt – und immer wieder der Blick einer jungen Frau: Bilder wie diese komponierte Friedl vom Gröller zu einer poetischen Etüde über die Suche nach Erkenntnis.
Zu Beginn sitzt eine junge Frau, die Sängerin Jelena Arrouas – sie agierte bereits in Friedl vom Gröllers Film Jelena (2024) – in einem überwucherten Garten, still in sich ruhend, bis plötzlich etwas ihre Aufmerksamkeit erregt, ja, sie aufzuwühlen scheint. Was ist es? In den nächsten Momenten landen wir auf einem Friedhof, blicken auf offene und geschlossene Türen. Die Kamera sucht den rissigen Boden ab – wonach? Vielleicht nach Antworten auf die von der Protagonistin formulierte, wiederkehrende Frage, die fragmentiert und abgewandelt auf französisch und deutsch auf Kartontafeln handschriftlich notiert ist? In ihrer längsten Version lautet sie: „Ich wollte alles wissen. Ich wollte alles von oben betrachten, alles sehen, alles beobachten, alles verstehen, alles erfassen, alles kontrollieren, alles sehen, alles sehen, alles wissen. Alles wissen.“ Eine zum Scheitern verurteilte Utopie?
Die Vergangenheitsform suggeriert, dass die Suche nach dem „Alles“ aus der Vogelperspektive mittlerweile aufgegeben wurde, zugunsten eines anderen Ansatzes: „Ich wollte die Tür öffnen, ich habe die Tür geöffnet, sie ist da, vor mir, ich habe alles geöffnet, alles ist da, vor mir, da. Es ist da.“ Die Geschäftigkeit eines Marktes führt in die Realität des alltäglichen Lebens zurück.
Vielleicht lässt sich ES IST DA auch als Coming-of-Age-Geschichte im Miniaturformat begreifen: vom faustischem Anspruch einer jungen Frau zu der Einsicht, dass Erkenntnis ohne Offenheit nicht möglich ist. (Nina Schedlmayer)
ES IST DA
2026
Österreich
4 min