The God That Destroys

The God That Destroys ist eine filmische Auseinandersetzung mit dem Nachhall von Zeitlichkeit: mit den für Sámi nicht verheilten Narben der Vergangenheit schwedischer Kolonisierung. Jyoti Mistry tritt in solidarische Nähe zu Sámi Tradition und Weltverständnis und macht deren Spuren erfahrbar, indem sie den Nachhall der Unterdrückung in einen umfassenderen kolonialen Zusammenhang stellt.

Der weiße Mann hat die Zeit ihrer zirkulären Bewegung beraubt, ihr eine geradlinig vermessene Ordnung aufgezwungen: eine Ordnung, die zählt, einteilt, nimmt. Mistry vergegenwärtigt dieses bis heute andauernde Beraubt-worden-Sein. Zeitliche Wiederkehr wird durch Wiederholung erfahrbar: im Porträt der Sámi Frau, die als Messenger, als Go-Between, als für den kolonialen Apparat unabdingbare Vermittlungskraft im Zentrum steht.

„Unsere Welt ist viele Welten“ zieht sich als Refrain durchs Voice-Over; Vogelrufe und Wasserläufe halten ein plurales Zeitverständnis wach, während koloniales Eindringen dies zu unterjochen sucht – bis hin zur Stillstellung des Trommelklangs, der diese Welt trägt.

Das aufgezwungene Christentum – Kirche, Kreuz, Gehorsam – und das Bildungssystem – Bücher, Tafeln, Klassenzimmer, Lehrperson, Kinder – schreiben sich in Körper und Welt ein. Sie durchdringen das staatliche Narrativ einer Hierarchie von Wissens- und Seinsformen. Geschenke binden, statt zu geben; sie bereiten Zugriff vor. Ausmessen wird Landraub, wird Enteignung. Der Gottvater stört die Zeit.

Durch Archivmaterial aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in Tärnaby/Dearna neu gedrehtes 16-mm-Filmmaterial und animierte Sequenzen schafft Mistry ein Geflecht aus Sámi Kosmologie und kapitalistischer Zerstörung. Fotografien, Filme, Porträts: eine Historizität des Bildes. Fahnen, Wasser, Eingriff: rotes Blut, Rentiere, tot im weißen Schnee. Rohstoffgier verunmöglicht Sámi Selbstbestimmtheit. Getragen von Kinderchor und samischem Joik erinnert die Vorbotin der Zukünftigkeit: Die Geschichte ist keine Erzählung, sondern eine Warnung. Flechten, weben, knoten. Die Bäume schreien. Die Berge dröhnen. Flüsternd, beharrlich: Oda nama – Nenn mich bei meinem Namen. (Doris Posch)

Orig. Titel
The God That Destroys
Jahr
2026
Länder
Österreich, Schweden
Länge
17 min
Regie
Jyoti Mistry
Kategorie
Experimental
Orig. Sprache
Englisch
Credits
Regie
Jyoti Mistry
Drehbuch
Jyoti Mistry
Kamera
Charlotta Tengroth
Schnitt
Nikki Comninos
Sound Design
Peter Cornell
Animation
Clint Corden
Produktion
Süd Nord Film
Ko-Produktion
Klara Björk
Produzent*in
Florian Schattauer
Mit Unterstützung von
City of Gothenburg
Cast
Nina Andersson, Ann Sofi Fjällström, Sara Ivarsson, Rory Kingan, Per-Olof Persson, Florian Schattauer, Lena Lundin Skott, Camilla Winka
Vocal Artist
Sara Ajnnak
Komponist*in Kinderchor
John Barber
Liedtexte Chor
Jyoti Mistry
Verfügbare Formate
DCP 2K flat (Distributionskopie)
Bildformat
4:3
Tonformat
5.1 surround
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe, s/w