33,384.6 m²
Zwei schwarze, vertikale, leicht instabile Linien zerschneiden zu Beginn den Bildraum. Im alten Kino, vor der Digitalisierung, könnten das Laufstreifen sein. Auch an den klassischen Animationsfilm denkt man bisweilen in Simona Obholzers 33,384.6 m², einem Film der sich durchweg in der Spannung zwischen dynamisch geformtem, fast wie gezeichnetem (oder ausgestanztem?) Vordergrund und planem, weitgehend statischem Hintergrund entfaltet. Die Kamera selbst bewegt sich nicht, der filmische Rahmen ist jeweils fix. Doch er enthält nichts Festes. Die wechselnden Wolkenformationen, die den Großteil des Bildraums einnehmen, sind keine eindeutig lokalisierbaren Anker in der Welt, sondern lediglich kontingente Muster, Zufallsbilder, die mit dem Vordergrund keinerlei Verbindung eingehen.
Die Linien entpuppen sich bald als Drähte und verlieren doch nie ihre grafischen Qualitäten. Die Formen werden komplexer. Kopplungen, loses Gehänge, immer massivere Lasten werden, stets entlang einer vertikalen Achse, ins, durchs und aus dem Bild - gehoben? Geschwenkt? So nahe der Gedanke liegt, dass die Bewegungen, die wir sehen, Schwer- und Fliehkräften zu verdanken sind: letztlich bleibt er eine Spekulation, die auf unserem kognitiven Vermögen gründet, das Bild, das Obholzer uns präsentiert, imaginär zu erweitern und uns etwa “hoch oben” eine Befestigung als Ursprung aller Linien vorzustellen. Halten wir uns stattdessen ausschließlich ans Sichtbare, so kann man nur festhalten: Die verschiedenen Linien und Formen, die in 33,384.6 m² durchs Bild vagabundieren, setzen den oberen mit dem unteren Bildrand in Verbindung, sie bringen eine gleichzeitig visuelle und physische, letztlich jedoch rein filmische Kommunikation in Gang. Im Off des Bildes entsteht gleichwohl, darauf verweist bereits der Titel, fester Grund, wo vorher keiner war. (Lukas Foerster)
33,384.6 m²
2026
Österreich
9 min