Peter
Peter erzählt von der Begegnung zwischen Protagonist und Filmemacher durch die Beobachtung von lustvoller Selbsthingabe ebenso sehr wie durch das Davor und das Danach. Wie beeinflusst die Kamerapräsenz in den eigenen vier Wänden das Erlebnis sich selbst zu spüren?
Bevor es mit dem Masturbieren losgeht, sitzt Peter noch mit geteilter Aufmerksamkeit scrollend vor dem Laptop. „Was willst du von mir?“, fragt er mit dem Gesicht zum Bildschirm gerichtet, während Jan Soldats Silhouette in der Spiegelung eines Glasrahmens erkennbar wird. Dieser verweist auf die Vorbesprechung: Nippelspiele, Ausziehen vor dem Spiegel. Peter seufzt laut als müsse er den Haushaltsputz erledigen, klappt den Laptop zu und steht stramm auf. Erst wird noch das Mobiliar umgestellt, während die Kamera auf dem Stativ wartet. Dann geht’s los: Zweiter Beginn des Films. Ist der Gang von der Toilette ins Vorzimmer schon Teil der offiziellen privaten Performance? Sicher jedenfalls sind es die Momente danach, wenn er mit verschlossenen Augen über seine Nippel streift und die nächste statische Einstellung näher an das Gesicht des Protagonisten rückt. Peter legt Hand an Spielzeuge an und gibt sich den körperlich-sensorischen Faszinationen hin. In dem kurzen Zusammenschnitt geht es weder um das Erreichen eines orgiastischen noch eines narrativen Höhepunkts, sondern um die Begegnung Peters mit sich selbst. „Es hatte schon eine Bedeutung, dass du zuschaust. Aber ich habe es nicht für dich getrieben,“ resümiert er wieder in T-Shirt, Jeans und mit Hörgerät vor der Küchenzeile – sichtlich belebter als davor. Peter hat sich selbst überrascht: das Gefühl der Scham blieb aus. Die eigene Sexualität vor der Kamera zu leben: eine gute Erfahrung. (Bianca Jasmina Rauch)
Peter
2025
Österreich, Deutschland
7 min