Anima

Vor der Kamera, dazwischen noch ein Gestell, das wie ein Stativ mit Mikrofon wirkt, steht eine Gestalt und lacht uns an. Der drapierte, verunkenntlichte Körper ist wohl der einer jungen Frau mit auffallend blau leuchtenden Augen, roten Haaren (Perücke?), ihre helle Haut fast gänzlich verdeckt durch eine dichte schwarze Bemalung – oder ist es ein Stoffbezug? Mit dem Titel im Kopf, lässt dieser Anblick an die rassistische Praxis des Blackfacing denken: Sollen wir uns die weiße Beseelung eines Schwarzen Körpers vorstellen? Oder eher die Animierung träger westlicher Körper dazu, sich im Bild antikolonialer Befreiungskämpfe und deren stark aufgeladenen Images auszuprobieren? Noch dazu mit fernen Bild-Echos von VALIE EXPORTS zeitgleicher Aktionshose: Genitalpanik... Nun, die Pose hier ist allerdings weniger Guerilla; sie ist aber nicht weniger als bei EXPORT ein Zurückspielen von Projektionen und Besetzungen an die Betrachter:innen. Denen macht die lachende Anima eine klassische Spottgeste, die unseren Blick (auf sich) zurückwirft: Die hier exponierte Körperöffnung, betont in kurzen Groß- und Detailaufnahmen, ist die gezeigte Zunge. Die wird wieder eingezogen, Mund schließt sich, Film aus, wie so oft bei Schmidt jr. folgt der später selbstarchivierend angefügte schwarzweiße Hand-mit-Zettel-Titel "ENDE". (Drehli Robnik)

Orig. Titel
Anima
Jahr
1969
Land
Österreich
Länge
1 min
Kategorie
Avantgarde/Kunst
Orig. Sprache
Kein Dialog
Downloads
Anima (Bild)
Credits
Regie
Ernst Schmidt jr.
Verfügbare Formate
16 mm (Distributionskopie)
Bildformat
1:1,33
Tonformat
Stumm
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
Farbe
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)