Reduziertes Stilleben
Eine weitere Buch-Verfilmung. "Reduzieren" hat ja die schöne Doppelbedeutung "verkleinern" und "zurückführen", dem entsprechend führt Reduziertes Stilleben als ein mit 36 Sekunden genau richtig dimensionierter Film die Form des Stilllebens (in damaliger Rechtschreibung noch mit nur zwei "L") auf sein Prinzip zurück. Der Kernbestand einer Gesellschaft, den ein Stillleben gern ausstellt, liegt hier nicht, wie in Gemäldeklassikern, in der verfügbaren Natur, in bürgerlichem Dekor oder spirituellen Arrangements. Sondern in Information, die sich anhäuft, mit Anflügen eines informellen Archivs. Also liegen in Schmidt jr.s Still(l)eben auf der Holzmaserung eines Tisches, unerfasst im Schnellstschnitt und wischenden Bewegungsunschärfen, Schriftstücke, Zettel und Taschenbücher. Sie liegen still und leben eben. Ihre Lesbarkeit ist reduziert, also auch zurückgeführt an den Punkt, an dem das Lesen/Sammeln mit jener Abwesenheit ringt, durch die Schrift erst zur Spur wird. Adleraugen sehen die Schriftzüge "ZENTRUM MOZARTGASSE 4" und "FILMKRITIKER KOOPERATIVE", slow eyes ruhen sekundenlang auf Buchcovers: "Das Theater des Absurden" und "Das fehlende Glied in der Kette". Einmal mehr ist alles gesagt. (Drehli Robnik)
Reduziertes Stilleben
1973
Österreich
1 min