Das Happening
Der Titel ist wieder einmal gänzlich wörtlich zu nehmen. Es passiert, it´s happening – gute zwei Sekunden lang: ein Mann und eine Frau (Günter und vermutlich Anna Brus) in der Positur eines Koitus a tergo in flachem Wasser vor Schilfhalmen. Ihre athletischen Körper sind (in Brus-Aktions-typischer Art) weiß bemalt, bewegen sich kaum, wirken wie klassische Statuen. Oder ist das, was passiert, vielmehr ein Ablauf, der den Vordergrund des kurzen Films noch kürzer einnimmt? Nämlich: Ein nackter Mann geht, Zigarette in der Hand, gebückt durchs Bild, wie ungeplant. Ins-Bild-Latschen wird zum Bild. Dieses beiläufig als Wirklichkeit eingespurte Happening überlagert das rituelle Happening, wie es (auch wenn die kunsthistorische Terminologie ungenau sein mag) mit dem Wiener Aktionismus assoziiert ist – auch mit dessen Momenten von Erotisierung männlich-auktorialer Gewalt. Kurt Kren hatte seine rhythmisch komplexe Form, den Duktus mancher Materialaktionen dekonstruktiv zu konterkarieren; dieses Schmidt jr.-Fragment, dem nichts fehlt, tut etwas Ähnliches auf charmant lapidare Weise. (Drehli Robnik)
Das Happening
1969 - 1979
Österreich
1 min