Filmverschwendung
Der lang im Bild stehende Titel ist durch sein Worttrennungszeichen so geschrieben, dass er auch als "Film = Verschwendung" gelesen werden kann. Ihm folgt, quasi ein Gegenteil zum verschwenderischen Umgang mit dem Material der ebenso gekritzelte Titel "Schaß-Wörterbuch" (nun mit konventionellem Worttrennungszeichen). Schaß ist süddeutsch/österreichisch für Flatulenz. Wörterbücher, Lexika, Buchstabeninventare sind ja ein typisches Format von Schmidt jr.s kurzen Filmen. Die hier teils verschwenderisch langsam, teils einzelkaderig schnell montierten Wörter sind vor allem krakelig handgeschriebene bzw. gezeichnete Titelage und Schlüsselworte für Saal-bezogene Expanded Cinema-Projektionen – Aufforderungen an ein im Kino präsentes Publikum oder Personal: "Buh!", "Ruhe!", "Silence!", "Ruhe im Puff!". Gegen Ende grafisch arrangierte und mit Zeichnungen versehene Titel: "Sie sehen einen Film" – aha, wir verbuchen das unter 'Selbstreflexion der medialen Situation'. Aber nein, es geht weiter und bildet in der Bildfolge den altmodischen Hinweis "Sie sehen einen Film" "from the Kuratorium Neuer Österreichischer Film". Die Signatur dieser Institution (zu deren Katalog Schmidt jr. 1970 den Text "Die Entwicklung des Österreichischen Films" beitrug) wird dann heftigen Überzeichnungen und Durchstreichungen unterzogen. Am Ende ist wieder Ruhe im Puff. Da steht die traditionelle Titelage "Operateur Funda" (Schmidt jr.s langjähriger Kameramann Walter Funda), "Regie: Schmidt". Wer sich hier, allerdings ohne das sonst obligatorische "jr." im Namen, als Regisseur deklariert, hat mit Filmverschwendung eigentlich einen Titel-Wörter-Vorrat zur Nutzung in anderen Filmen angelegt: Die Schriftzüge "Vorführer" und "bitte" gingen, anders kadriert, in Vorführer bitte Saallicht ein, die Publikumsanweisungen "Peace" und "Please", seitenverkehrt bzw. negativ, in Schmidt jr.s heute vielleicht meistgesehenen Film Kunst & Revolution. (Drehli Robnik)
Filmverschwendung
1973
Österreich
3 min