Ichfilm (Namensfilm)
Der Titel des Films ist ein Fenster zur Welt – also in die Durchdringung von Wirklichkeit und Schrift. (Das ist die Welt.) Wie so oft hält Ernst Schmidt jr. einen Zettel mit dem Filmtitel darauf in die Kamera, hier allerdings im Rahmen eines Fensters, das sich in die Stadt hinaus öffnet. Und die Stadt enthält in ihren vielfältigen Beschriftungen den Namen des Filmemachers: nicht konzentriert, wie in einer narzisstischen oder paranoiden Fantasie, in der alle Welt mich spiegeln würde. Vielmehr: Der Name ist fragmentiert, zerstreut in einzelne Buchstaben, die in extremen Close-Ups von Fassaden zusammengesammelt, aufgelesen, werden – herausgelöst aus anderen Wort-Arrangements, aus Leucht- und Werbebuchstaben in verschiedensten Fonts. Ernst Schmidt jr. kommentiert diese Schriftmontage aus dem Off: "Ich suche die Buchstaben meines Namens in der Realität. E, R, usw. Ein Buchstabe fehlt leider, er wurde vergessen." (Es ist das M.) Fast vorwurfsvoll im Tonfall vermerkt das der Filmemacher, dem (wohl zurecht) ein Hang zur Produktivität von Fehlern nachgesagt wird. Nicht vergessen aber wird am Ende der Namenszusatz: "J und R, das heißt Junior: Das g´hört zum Namen dazu." Genau.
Nicht vergessen sei auch: Der Ichfilm (Alternativtitel laut Linda Bilda: Namensfilm) wurde wie eine Regisseurs-Signatur in den Beginn von Schmidt jr.s Opus Magnum Wienfilm 1896-1976 einmontiert: Auf den Ichfilm folgen dort der Wienfilm-Titel und die Liste der Beteiligten; die Liste greift das ichfilmische Sich-Finden in der Wiener Wirklichkeit auf, und zwar anhand klassischer Statuen großer Gestalten von einst, die jeweils metaphorisch für mitwirkenden Künstler:innen stehen. (Drehli Robnik)
Ichfilm (Namensfilm)
1975
Österreich
1 min